in Elektromobilität, Hyundai Ioniq
2017-01-14

Hyundai Ioniq Elektro Style Probefahrt

  • DistanceInstructions
  • Distance144 km
  • Time2 h 17 min
  • Speed61 km/h
  • Min altitude0 m
  • Peak0 m
  • Climb0 m
  • Descent0 m

Gestern konnte ich den Hyundai Ioniq Elektro probefahren. Vermittelt wurde mir die Probefahrt beim Hyundai-Händler Adolf Hasslauer über die Facebook-Seite von Hyundai Österreich innerhalb weniger Tage. Sehr löblich!
Nach einer kurzen Einschulung und dem Kopieren des Führerscheins ging es um 09:40h in Schlag bei Schwarzenau los Richtung Südosten. Ein Freund von mir wollte sich den vollelektrischen Ioniq auch gerne ansehen.

Start der Probefahrt

Am Display angezeigt wurde mir eine Restreichweite von 172 km und ein Akkustand von 98%.
Matschiges Straßen haben uns den Spaß an der Probefahrt nicht verderben können und schon nach wenigen Kilometern ging es auf die Schnellstraße Richtung Krems – bei salznasser Fahrbahn. Dieses erste Teilstück mit ca. 63 km Länge bin ich gefahren, meine liebe Frau war Beifahrerin.

Ich habe den Ioniq nicht geschont und bin sicher ein Viertel der Strecke mit (teils weit) mehr als 100 km/h gefahren. Ich wollte einfach wissen, wie sich diese Fahrweise auf den Verbauch auswirkt. Gestartet bin ich bei einem durchschnittlichen Verbrauch von knapp 16 kWh/100 km. Dieser Werte ging durch meine Fahrweise und unwesentlich rauf auf max. 17 kWh/100 km. Der Wind und das Schneetreiben bzw. der Regen haben den Wert steigen lassen, obwohl es fast nur bergab ging.

Ich habe dabei auch ein paar mal den sogenannten „Lane Keeping Assistent“ (LKA) getestet. Das ist ein Assistenzprogramm des Ioniq, bei der er mithilfe der Frontkamera(s) die Spur hält. Er hält sich dabei hauptsächlich an die Markierungsstreifen, es sollte daher auf Autobahnen am besten funktionieren.
Aber auch auf der Schnellstraße Richtung Krems hat er tadellos funktioniert und aktiv korrigiert, sobald man sich der Mittellinie genähert hat oder dies gar überfahren hat. Auch wenn man dem rechten Fahrbahnrand zu nahe kommt greift er aktiv ein und korrigiert ggf. die Fahrtrichtung. Ein wirklich tolles Sicherheitsfeature. In Kombination mit dem automatischen Abstandtempomaten muss das auf Autobahnen sehr komfortabel sein. Auf ihn verlassen sollte man sich jedoch nicht. Eine komplette Autonomie wie bei den allerneuesten Teslas wird damit nie möglich werden.
Updates kann man bei dem schnittigen Coupe nämlich maximal über eine SD-Karte einspielen, wie Hyundai es schon einmal für mehrere Modelle gemacht hat, um Apple Carplay nachzurüsten. Regelmäßige Updates wie bei Tesla darf man sich aber nicht erwarten.
Enge Kurven mag der LKA übrigens nicht, da lenkt der Wagen zuwenig dagegen. Man wird es wohl hauptsächlich auf nicht allzu kurvigen Autobahnen einsetzen. In dem Video am Beitragsende habe ich meine Frau beim Testen des „Lane Keeping Assistenten“ gefilmt.

Angekommen in Gösing am Wagram bei meinem Ex-Arbeitskollegen, der eine alte Renault Zoe hat, bin ich um ca. 10:25h – da hab ich leider nicht auf die Restreichweite geschaut. Er hat auch eine kleine Ehrenrunde von ca. 17 km Länge nach Großriedenthal und Hohenwarth und wieder zurück nach Gösing gedreht. Er war sichtlich angetan vom niedrigen Verbrauch des Ioniq im Vergleich zu seiner alten Zoe. Die braucht um einige kWh mehr auf 100 km, meinte er. Auch die Heizleistung sei nicht vergleichbar. Kein Wunder, der Ioniq Elekro hatte auch eine sehr effiziente Wärmepumpe eingebaut. Was ihm gleich negativ aufgefallen ist, waren die „billigen“ und sehr lauten Lassa-Winterreifen. Da gibt es wesentlich effizientere und auch leisere Reifen. Damit habe ich aber natürlich noch überhaupt keine Erfahrung. Das wird aber noch werden.
Man hat gemerkt, dass er schon über ein Jahr elektrisch fährt, weil seine Fahrweise doch viel schonender war als meine. Gestaunt hat er auch über die niedrigen Verbrauchswerte, vor allem bei höheren Geschwindigkeiten über 100 km/h. Das ist halt eine Folge des sehr niedrigen cw-Wertes von nur 0,24 – er ist damit das weltweit effizienteste Serienfahrezug der Welt (wenn ich mich nicht irre ;)).
Eine Folge dessen ist aber leider auch der etwas niedrige Kofferraum, den mein Freund etwas bemängelte. Zwar in der Tief und Breite ausreichend groß, aber eben nicht sehr hoch. Wir haben dann gemessen, hier die Daten:

  • Maximale Ladelänge von ca. 190 cm beim umgelegter Rückbank und ganz nach vorne geschobenem/gekipptem Beifahrersitz. Mit etwas Glück auch 195 cm.
  • Breite: 100 cm
  • Höhe: 40 cm hinten und 65 cm vorne
  • Tiefe habe ich vergessen zu messen, schätze ich aufgrund des Messe-Fotos aber auf ca. 90-100 cm.
  • Nachtrag 16.01.2017: hier sind die genauen technische Daten

Danach habe ich mir das Warngeräusch von ihm demonstrieren lassen, das man unter 30 km/h aktivieren kann. Über die VESS-Taste links vom Lenkrad kann man es ein- und ausschalten.

Aus Gösing an der Wagram ist dann meine liebe Frau mit 82 km Restreichweite Richtung Hyundai-Händler zurückgefahren. Eigenlich hätte die Reichweite für die Rückfahrt locker ausgereicht, allerdings wollten wir den Wagen wieder etwas aufladen, denn nach uns wollte schon der nächste E-Auto-Interessent den Südkoreaner ausgiebig testen.
Nachdem im Auto freundlicherweise eine smatrics-Karte zur Verfügung stand, habe ich mich per Smartphone auf die Suche nach der nächsten Schnellladestation gemacht. Komischerweise wurde mir der Schnelllader beim Merkur in Horn im Navigationssystem des Ioniq nämlich nicht vorgeschlagen. Im Alltag hätte ich wohl Android Auto mit den Google Maps genutzt, dazu muss das Smartphone aber erst einmal eingerichtet werden und per USB ans Auto angeschlossen werden. Für Apple Carplay gilt übrigens dasselbe.
Egal, die Adresse war schnell herausgefunden und ich habe die Adresse einfach manuell ins Navi eingegeben.

smatrics Schnelllader (50 kW)

Beim smatrics-Schnelllader in Horn hatte ich alle Mühe beim erstmaligen Laden. Ich wollte den ganzen Ladevorgang filmen (siehe Video), das ist allerdings schwieriger als man sich vorstellt, wenn man beim Filmen gleichzeitig was anderes machen soll. Meine Frau hat mir dann netterweise geholfen 🙂
Also Ladepunkt CCS mit 50 kW gewählt, auf RFID-Ladekarte geklickt, Ladekarte hingehalten und los geht’s. Denkste!

Das Ladekabel war nur etwa 4 Meter lang, zu kurz, denn ich Stand mit der Front beim Lader. Also kurz das Auto umgestellt und dann ging es wirklich los mit dem Laden. Bei 25% um 11:42h wurden mir 32 Minuten bis zur Vollladung prognostiziert. Wobei „voll“ sind beim Ioniq meines Wissens nach 94%, weil der Schnellladevorgang dann von Auto beendet wird. Warum genau, muss ich erst ausforschen, ich vermute, weil damit der Akku geschont werden soll.
Es kam aber ganr nicht soweit, denn wir standen schon etwas unter Zeitdruck.

Suppe und Seelachs wurden „runtergewürgt“, denn um etwa 12:00h wollte ich losfahren, damit der nächste Fahrer das Auto um halb eins entgegennehmen kann. Ist sich leider nicht ganz ausgegangen und ich habe den Ladevorgang um 12:09 bei 85% Ladung abgebrochen. Die zu erwartende Reichweite zeigte der Ioniq mit 152 km an.

Ende der Probefahrt

Um 12:37h habe ich den Ioniq wieder beim Hyundai-Händler abgeliefert.
Die Restreichweite stand bei 99 km bzw. 60% Batterieladung. Dabei hat der Wagen 19,3 kWh auf 100 Kilometer verbraucht, wie man dem Foto rechts entnehmen kann. Die 32,6 km bin ich dabei in 28 Minuten gefahren. Ein Schnitt von knapp 70 km/h für diese letzte Etappe, großteils bergauf und mindestens zur Hälfte auf Schnee. Die Fronträder mit den schlechten Reifen haben trotz ESP stark durchgedreht. Das Fahrverhalten auf Schnee war aber dennoch vergleichbar mit meinem Volvo V40 (Baujahr 2001).

Fazit

Nun, was soll ich sagen?
Mich hat der Wagen restlos begeistert. Es gibt zwar ein paar kleine Mankos, wie der etwas niedrige Kofferraum und eine fehlende 2-Zonen-Klimaautomatik. Wenn man mit seiner Gattin unterwegs ist, kann das die Reichweite erheblich einschränken. 😉
Nein, Spaß beiseite. Wir haben trotz widriger Wetterbedingungen (Regen, Matsch und Schnee) mindestens 23°C Innentemperatur, im Durchschnitt -1°C Außentemperatur und sehr rasanter Fahrweise (nur meinerseits) eine Reichweite von ca. 170 km erreicht. Ich wette, dass ich bei moderater Fahrweise auch an die 200 km Reichweite erreichen hätte können. Aber eine Testfahrt soll ja kein Kindergeburtstag sein.

Die Ausstattung ist umfangreich und technisch am letzten Stand. Die Materialien fühlen sich wertig an und das Schnellladen ist wirklich kein Grund mehr, nicht elektrisch fahren zu wollen. Der Ioniq ist so derart effizient, dass er mit einer halben Stunde locker wieder 100 km nachlädt. Im Sommer könnten es auch 150 km sein. Das wird sich alles noch zeigen.

Der Hyundai Ioniq Elektro hat mich persönlich auf jeden Fall überzeugt und ich werde mir sehr bald einen bestellen, bzw. bei meinen umliegenden Hyundai-Händlern fragen, was demnächst so reinkommt. Eine ganze Flotte an Ioniqs soll ja bereits auf Transporterschiffen aus Südkorea angeschippert werden.

Zum Schuss noch das Video, das ich schon gestern auf YouTube gepostet habe, viel Spaß!