in Elektromobilität, Hyundai Ioniq

Mit nicht allzu großen Erwartungen bin ich gestern zur Vienna Autoshow 2017 gefahren. Ich war sehr enttäuscht, dass mein bisheriger Favorit Opel mit seinem Ampera-e auf der Messe nicht vertreten war. Österreich hat aber für Opel momentan null Priorität, was E-Autos betrifft, leider.

Umso mehr war ich auf den Hyundai Ioniq Elektro gespannt, hatte ich doch erst vor kurzem vom E-Auto-Urgestein Stefan Ko erfahren, dass Hyundai momentan sehr attraktive Leasing-Angebote für ihre Ioniqs anbietet. Dazu später mehr.

Gespannt hab ich mich auf den Weg gemacht und beim Tanken meines 16 Jahre alten Volvo V40 ist mir erst bewusst geworden, dass das möglicherweise mein letzter Volltank gewesen sein könnte. Das musste ich natürlich in einem Bild festhalten. Die 44 Euro waren schnell vertankt, in Zukunft will ich aber meinen eigenen PV-Strom „verfahren“ – also los nach Wien…

Die Strecke nach Wien und zurück war ungefähr 280 km lang. Eine Reichweite die ich eigentlich gerne gehabt hätte für mein nächstes Elektroauto. Insofern blieb fast nur der Opel Ampera-e als mein nächstes Auto übrig. Schließlich sollte es doch in jedem Fall ein Elektrisches werden. Tesla kann ich mir keinen leisten und alle anderen E-Autos schaffen das (zumindest im Winter) nicht.
Nur gibt’s beim Opel Ampera-e ein großes Problem für uns Österreicher:
Es wird ihn nicht vor 2018 bei uns geben und der Import aus Deutschland ist erstens mühsam und zweitens nur als Kauf möglich.
Stefan Ko hat vor ca. einer Woche auf Facebook folgendes Angebot von Hyundai gepostet. Und da wurde mein Interesse für den Südkoreaner geweckt.
Ich kannte Leasing bisher nur in der Drittel-Finanzierung, d.h. ein Drittel anzahlen, dann über 3 bis 5 Jahre ein weiteres Drittel über monatliche Raten abstottern und mit letzten Drittel bei Kaufinteresse das Auto auszahlen.
Das Operating Leasing, das im Prinzip nur eine mehrjährige Miete darstellt, kannte ich schlicht nicht.

In dem PDF rechts kann man alle Details des Leasing-Angebots genauer nachlesen. Es ist vor allem für Unternehmer und somit auch für mich extrem interessant. Und, ein weiterer Bonus: man kann trotz Mietmodell die Förderung beantragen.
Die Mietvorauszahlung von 1.500 Euro stellen nämlich den Händleranteil auf der Rechnung dar und berechtigen den Käufer die Bundesförderung zu beantragen. Als Niederösterreicher kann ich danach noch zusätzlich die Anschlussförderung in der Höhe von 1.000 Euro beantragen.
Die monatliche Rate beträgt zumindest 294,63 Euro, bei besserer Ausstattung werde ich voraussichtlich auf 320 bis 340 Euro monatlicher Belastung kommen. Und das über 4 Jahre.
Danach läuft das Leasing aus und die Unicredit nimmt das Auto zurück.
Ich darf pro Jahr 20.000 Kilometer fahren und mir kann es egal sein, in welchem Zustand die Batterie bis dahin ist. Auch der Restwert kann mir relativ egal sein, sofern ich das Teil nicht komplett ramponiere. Aber eine Vollkasko-Versicherung wird mir sowieso vorgeschrieben werden – war aber sowieso mein Plan bei einem neuen Auto.
Die gesamten Kosten exkl. Versicherung betragen für mich somit in 4 Jahren ca. 15.000 bis 16.000 Euro abzgl. der Förderung von 2.500 Euro. Die monatlichen Raten kann ich als Unternehmer zum Großteil absetzen.
Ich muss somit mein E-Auto nicht über einen Kredit vorfinanzieren.

Nachteil: das Auto gehört nie mir. Ist mir aber – ehrlich gesagt – relativ Blutwurst.

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Aber zurück zum eigentlichen Thema, der Vienna Autoshow und dem Hyundai Ioniq selbst.

Nach der Kassa wird man gleich vom größten Stand der Messe, dem VW-Stand und der Werbung für den neuen 7er-Golf erschlagen. Mein Interesse hielt sich sehr in Grenzen, schließlich wollte ich mich nicht um einen Sitzplatz im neuen E-Golf (Vorserienmodell) prügeln 😉 Das Interesse war offensichtlich sehr groß an dem Stromer aus Wolfsburg.
Schnurstracks, vorbei an diversen unleistbaren, aber seh schönen Rennautos, ging es durch die Halle B zur Halle C und dort direkt zum Hyundai-Stand.

Hyundai Ioniq Elektro

Zuerst habe ich einmal eine Runde um den Elektro gemacht. Als erstes Detail habe ich mir den Kofferraum angesehen und war positiv überrascht. Ich hätte ihn mir kleiner vorgestellt. Vergleichbar mit dem Kofferraum meines Volvo V40, durch die Coupe-artige Bauweise aber natürlich etwas niedriger. Das kommt aber wiederum der Windschlüpfigkeit zugute – eine der größten Stärken des Ioniq mit einem cw-Wert von nur 0,24. Damit ist er momentan das effizienteste Auto der Welt.
Der Kofferraum ist recht tief und lässt sich mit umgeklappten, 60/40-geteilten Rückbänken erweitern. Der Boden lässt sich rausnehmen, damit man Ladekabel oder dergleichen verstauen kann.

Kofferraum

Als nächstes habe ich mich dann auf den Beifahrersitz gesetzt, um zu sehen wie klein oder groß sich das Auto anfühlt. Man sitzt relativ niedrig, was manche ältere Semester sicher kritisieren mögen. Die höhere Sitzposition im Opel Ampera-e war ebenfalls ein Kriterium, das mir gut gefallen hätte. Noch (und 4 Jahre lang) kann ich mit diesem „niedrigen“ Auto aber sicher gut leben. Insgesamt wirkt der Ioniq aber recht geräumig – ebenfalls gut vergleichbar mit meinem Volvo V40 oder auch mit dem 6er Golf Variant (Firmenauto meiner Frau).
Die Oberflächen sind extrem hochwertig, hartes Plastik findet man nur an wenigen Stellen. Es fühlt sich alles sehr wertig an und man hat nicht das Gefühl, dass das Auto sein Geld nicht wert sein könnte. Man kriegt als Privatkäufer in Österreich allerdings bei keinem Händler auch nur einen Euro Rabatt. Das dürfte von der österreichischen Geschäftsführung an die Händler herab so verordnet sein. Man liest ja in diversen Foren, dass kein einziger österr. Händler Rabatte gibt (bzw. nicht geben darf). Man kann also den Listenpreis nehmen, zählt die Extras dazu und zieht die Förderung ab. Somit hat man den Endkundenpreis.
Einerseits extrem transparent, andererseits ärgerlich für die interessierte Kundschaft, die anderes gewöhnt sind beim Autokauf.
Ist aber wohl ein Tribut an die zu erwartenden Ausfälle/Verluste von Serviceeinnahmen in naher Zukunft.

Dass das nicht unbedingt so sein muss, zeigt ein deutscher Hyundai-Händler im Westen von München. Der hat auf eigenes Risiko 124 (!) rein elektrische Ioniqs bestellt. Er gibt fixe Rabatte und feste Preise für all seine Käufer. Als privater Österreicher könnte ich bei ihm jederzeit einen voll ausgestatteten Ioniq samt Schiebedach um 33.500 Euro inkl. 19% dt. MwSt. kaufen. Als Unternehmer ohne Mwst. hätte ich um sagenhafte 28.151 Euro das Auto sofort kaufen können. In Österreich bezahlt man für dasselbe Auto als Privater nicht ganz 41.000 Euro. Um Mehr 7.000 Euro Differenz kaufen daher laut GoingElectric-Forum schon sehr viele Österreicher beim Autohändler Sangl in Landsberg.
Rund 90 von den 124 elektrischen Ioniqs hat Herr Sangl übrigens schon verkauft. Unglaublich, aber man sieht was möglich wäre, wenn die Händler auch zu den elektrischen Autos stehen würden, die sie verkaufen.
Bin gespannt, wie lange das so bleiben wird. Vermutlich ist die Konkurrenz bei Elektroautos doch noch zu klein.

Naja, mich betrifft das mittlerweile nur mehr peripher, weil ich mich schon für das oben beschriebene Operating Leasing entschieden habe. Da kann ich damit leben, keine Rabatte zu erhalten.

Hier noch weitere Fotos vom Rundgang ums Auto herum:

Natürlich musste ich auch an den Fahrersitz, um das Auto besser „fühlen“ zu können. Der Eindruck war wiederum extrem positiv. Das beheizbare Lederlendkrad liegt gut in den Händen, alle Schalter und Knöpfe drauf sind gut bedienbar und wirken alles andere als billig. Die Rekuperationshebel an der Rückseite des Lenkrads sollten gut erreichbar sein beim Fahren, dass muss ich aber erst bei einer Probefahrt austesten.

Der Touchscreen reagiert prompt und die Bedienung sollte kein Problem sein. Das wird aber ebenfalls die Probefahrt zeigen. Mein Smartphone – ein nicht kleines Nexus 6P (5,7″) samt Spigen-Hülle – passt gerade noch in das Ladefach. Smartphones die Induktiv geladen werden können, werden hier bequem drahtlos geladen. 6-Zoll-Smartphones werden in dieses Fach aber vermutlich nimmer reinpassen. Ich habe zwar nicht vor, so ein Riesenteil zu kaufen, für den einen oder anderen könnte es aber ein Thema sein. Das wäre dann etwas ärgerlich. Zur Not bzw. für Android Auto bzw. Apple Carplay muss das Smartphone aber sowieso per USB angeschlossen werden. Insofern hat man immer auch eine Alternative zum drahtlosen Laden. In der aufklappbaren Armlehne ist übrigens noch ein USB-Steckplatz um auch die hinteren Mitfahrer mit Strom für diverse Geräte zur Verfügung stellen zu können.

Assistenzsysteme wie der Spurhalteassistent oder ein programmierbarer Abstandswarner, der im Notfall die Limousine bis zum Stillstand bremst, sind serienmäßig mit an Bord.
Weitere Assistenten wie Toter-Winkel-Assistent oder die Querverkehrswarnung kann beim Kauf dazugebucht werden.
Als Einzeloptionen gibts:

  • Pedale mit Metall-Applikationen
  • Einparkhilfe vorne
  • Elektrisch einstellbarer Fahrersitz
  • Elektrisches Glas-/Schiebedach
  • Wärmepumpe

Die Wärmepumpe soll sehr schnell und gut heizen, was man so in diversen Foren lesen kann. Auch das werde ich bei meiner Probefahrt überprüfen.

Der Akku hat 28 kWh Kapazität (netto, also nutzbar) und soll damit eine Reichweite von bis zu 280 Kilometern gewähren. Realistisch betrachtet, wird’s wohl eher Richtung 200-250 km im Sommer und 150-200 km im Winter gehen.
Das muss einem bewusst sein, ich kann damit aber mittlerweile gut leben. Mehr als 150 km Reichweite brauche ich bis jetzt nur 3-4 Mal im Jahr. Und bei guten Planung (und verfügbaren Ladestationen) sollten auch Strecken von 400 bis 600 km am Tag locker machbar sein.
Ich werde das im Sommer hoffentlich schon mit dem Ioniq Elektro testen können, wenn es Richtung Kroatien in den Urlaub geht. Ich hoffe, dass ich dann Gutes von dem Auto berichten kann.

Fazit

Ich muss sagen, dass ich wirklich begeistert war von dem Fahrzeug. Die Ausstattung ist 1A und kommt nahe an die Teslas heran. Autopilot-Systeme wird’s für den Ioniq aber in dieser Ausführung noch nicht geben. Die Verarbeitung ist meiner Meinung nach sehr hochwertig und das Auto fühlt sich sehr gut an. Mit seinem extrem guten Luftwiderstandswert erreicht man bei relativ kleinem Akku eine durchaus respektable Reichweite, auch bei höheren Geschwindigkeiten – auch das ist mir wichtig. Ich will damit auch auf der Autobahn etwas flotter unterwegs sein können und nicht im Windschatten von LKWs fahren müssen.

Morgen geht’s zur Probefahrt ins Waldviertel. D.h. bei zu erwartenden Temperaturen von -2 °C (Zwettl) erwarten mich gleich unwirtliche Bedingungen. Ich werde in jedem Fall berichten, wie die Fahrt war.