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Warum der elektrische Hyundai IONIQ für mich persönlich einen Quantensprung darstellt, will ich Euch in diesem persönlichen Bericht schildern, vorab schon einaml ein Video von meinem neuen Hyundai IONIQ Electric:

Mein alter Volvo V40 hat mich 14 Jahre lang treu begleitet und mich (fast) nie im Stich gelassen. Nach dem letzten „kleinen“ Service (ca. 600 €) im September 2016 stand mein Beschluss fest, dass das mein letztes Service mit einem Verbrenner sein sollte. Mein Eigenheim habe ich mit einer 8,325 kWp-Photovoltaikanlage schon seit über einem Jahr auf ein Elektroauto vorbereitet und so ging’s daran, das richtige E-Auto für meinen vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien zu finden.
Anfangs 2016 war ich noch ganz auf den kommenden Opel Ampera-e eingestellt. Da wurde sein amerikanischer Bruder, der Chevrolet Bolt, mit einem bombastischen 60 kWh-Akku mit Pauken und Trompeten angekündigt. Kurz danach vermeldete Opel, den Chevy Bolt als Opel Ampera-e in Europa auf den Markt bringen zu wollen. Im Herbst/Winter sollte es erst Details zu Marktstart und Preisen geben. Allerdings wurden potentielle Käufer immer und immer wieder vertröstet. Langer Rede kurzer Sinn: der Opel Ampera-e ist jetzt noch immer nicht am Markt und wird bis 2019 auch nur in homöopathischen Dosen auf den Markt kommen. Die Chance einen Ampera-e als Österreicher vor 2019 zu ergattern sind praktisch null. Solange wollte ich aber nicht warten.
Über die Details zum Opel Ampera-e habe ich mich natürlich im GoingElectric-Forum informiert und da tauchte in den diversen Diskussionen auch immer wieder der Name „Hyundai IONIQ“ als Alternative zum Ampera-e auf. Zuerst habe ich das nicht großartig beachtet, allerdings wurde mein Unmut über die mangelnde Informationspolitik seitens Opel immer größer und so habe ich mich im Laufe der Zeit genauer mit dem vollelektrischen IONIQ befasst; den gibt’s nämlich noch in zwei anderen, für mich nicht relevanten Hybrid-Varianten. Die Hybrid-Übergangstechnologie stellt für mich aber keine brauchbare Alternative dar.

Hyundai IONIQ Electric

Der Hyundai IONIQ Electric wurde im GE-Forum vor allem wegen seiner Effizienz und seiner guten Ausstattung gelobt. Als größtes Manko wird so gut wie immer der doch relativ kleine Akku (28 kWh netto) genannt. Aber: der IONIQ ist in meiner Entscheidungsphase (rund um den Jahreswechsel 2016/2017) bereits käuflich zu erwerben und so habe ich mich immer mehr für den IONIQ interessiert. Und zwar gleich soviel, dass ich das Ampera-e-Forum kaum mehr verfolgt habe, dafür aber täglich nach News zum IONIQ im Forum gefischt habe.
Google-Alerts zum Hyundai IONIQ und der tägliche Blick auf YouTube nach neuen Videos zum E-Flitzer aus Südkorea haben mir immer neue Informationen zugetragen und meine Interesse wurde täglich gesteigert.
Am 12. Jänner gab es den IONIQ sogar in Österreich live zu sehen und zwar auf der Vienna Autoshow. Diese Gelegenheit musste ich beim Schopf packen und so bin ich mit meinem Volvo V40 nach Wien aufgebrochen, es sollte die letzten volle Diesel-Tankfüllung in meinem Leben werden – ein sehr gutes Gefühl!
Angekommen bei der Messe, vorbei am großen VW-Stand, wo der neue E-Golf präsentiert wurde und sich viele Leute tummelten, kam ich schnurstracks am Hyundai-Stand an. Neben einem Wasserstoff-ix35 stand er dann da in voller Pracht: ein weißer, vollelektrischer IONIQ in der kleineren Ausstattung (Ö: Premium (wtf?!), D: Style). Probesitzen, Fotografieren, was das Zeug hält, alles öffnen, was sich öffnen lässt und schließlich die Fragen aller Fragen an den Verkäufer (Autohaus Graf): was kostet das Ding und wann ich es haben? So begeistert war ich von dem Auto. Aus den Foren wusste ich schon, dass die österreichischen Händler leider keinen einzigen Cent Rabatt gewähren (dürfen), ich wollte es aber noch einmal vom Verkäufer persönlich hören, ob da wirklich „nix geht“. Leider nein. Null. Nada. Niente. Also Listenpreis minus Förderung.
Das war etwas enttäuschend, allerdings gab es auf der Messe auch ein tolles Leasing-Angebot von Hyundai Österreich. Um 294€ exkl. Mwst. pro Monat könnte ich den IONIQ 4 Jahre lange leasen. Nachteil: danach muss ich ihn an Hyundai zurückgeben! Nachdem ich ihn gesehen habe, konnte ich mir das aber nur schwer vorstellen, zumal in genau 4 Jahren mein älterer Sohn 17 Jahre alt wird und er dann vielleicht auch ein ordentliches E-Auto fahren soll, wenn Papa sich den Tesla Model 3 (der zweiten Generation natürlich ;)) gönnt.
Nein, das war eigentlich keine Option. Über Facebook (was habe ich dieses Ding gehasst, bevor ich die E-Auto-Gruppen entdeckt habe!) habe ich dann Kontakt zur E-Auto-Ikone aller Foren und Facebook-Gruppen „Stefan Ko“ (GE-Forum: „twizyflu“) Kontakt aufgenommen. Von ihm hatte ich auch schon vorab das Leasing-Angebot Hyundai’s erhalten und er hat mir die Details beim Leasen eines Fahrzeugs, die Abwicklung der Förderung und noch viele weitere Fragen geduldigst beantwortet. Ein Wahnsinn, was dieser junge Mann aus Kärnten für die E-Mobilität leistet! Er selber war kurz zuvor gerade (von der alten) auf die neue Renault Zoe mit großem 41 kWh-Akku umgestiegen und interessierte sich ebenfalls sehr für den Hyundai IONIQ. Und zwar so sehr, dass er das neue Elektroauto nur wenige Monate später selber gegen den IONIQ eingetauscht hat. Wo? Dazu später mehr! 🙂

Probefahrt

Das Auto hat mich so begeistert, dass ich unbedingt möglichst bald eine Probefahrt machen musste. Die Frage war nur: wie?
Es gab praktisch noch keine Vorführwagen bei den Hyundai-Händlern, nur ein paar Vorführer von Hyundai Österreich wurden ein paar Stunden Tage von Händler zu Händler gereicht. Über Facebook und Hyundai Österreich wurde mir promt eine Probefahrt 2 Tage nach der Messe in Wien angeboten. Die konnte ich dann bei miserablem Winterwetter beim Hasslauer in Schlag/Schwarzenau absolvieren. Ein Vormittagstermin wurde mir zugesichert und ich konnte von 9 bis 13 Uhr den IONIQ kurz testen, hier ein Video der Probefahrt:

Zuerst hab ich einen Freund in der Nähe von Krems damit besucht, von dem ich erst vor kurzem erfahren hatte, dass er eine ZOE hatte. Er hatte bereits Erfahrung mit den Verbrauchswerten eine E-Autos und sah sofort, dass der IONIQ ein extrem sparsames Auto ist, und war dermaßen von der kleinen 20 Minuten-Runde mit dem Auto angetan, dass er tags darauf den IONIQ bei einem lokalen Händler bestellt hat! Anfang März konnte er ihn schon in Empfang nehmen.
Meine Frau und ich fuhren anschließend wieder zurück Richtung Händler und wollten auch unbedingt einmal das Schnellladen ausprobieren. Schließlich wollten wir den IONIQ dem nächsten Interessenten ja nicht ganz leer zurückbringen. Geladen haben wir beim Merkur in Horn an einem Smatrics-Lader, eine Ladekarte lag dem Auto bei.
Zuerst falsche eingeparkt haben wir das Auto dann retour zum Lader gestellt, weil das Ladekabel nur 2-2,5 Meter lang war. Der Ladevorgang war problemlos und wir gingen schnell was essen. Kaum eine halbe Stunde weg, war das Auto schon fast wieder voll, als wir zum Auto zurückkamen – ein „Schlüsselerlebnis“ bei meiner Entscheidungsfindung. Da dachte ich mir, wenn ich 200 Kilometer fahren und dann nur etwa ein halbe Stunde warten muss, dann stellt das E-Autofahren für mich persönlich absolut keine Einschränkung mehr dar!
Pausen legt man (überhaupt mit Kindern) sowieso immer ein, insofern konnte ich mir erstmals auch vorstellen meinen Sommerurlaub mit dem Elektroauto abzuwickeln. Die 550 Kilometer nach Porec sollten ja im Sommer durchaus auch mit dem IONIQ zu machen sein. Und da war für mich auch der Groschen schon gefallen, der IONIQ musste so schnell wie möglich her!
Den Spurhalteassistent, mit dem man schon beinahe Tesla’s Autopilot-Feeling genießen kann, haben wir auch ein wenig testen können und waren sofort begeistert.
Die vielen sicherheitsrelevanten Assistenten (Querverkehrswarner, Notbremsassisten, Toter-Winkel-Assistent) haben wir zum Glück nicht benötigt bzw. waren zum Teil vielleicht gar nicht verbaut in dem Probewagen.
Zurück beim Händler ging es wieder um die Frage, was der IONIQ kostet und wann kann ich ihn haben. Terminlich war mir wichtig, ihn noch vor dem Sommer zu kriegen, denn der Sommerurlaub musste für mich persönlich schon elektrisch abgespult werden. Und ausstattungstechisch habe ich schon sehr früh auf die Lederausstattung des Top-Modells festgelegt. Für mich zahlen sich die zusätzlichen Goodies wie der elektrisch verstellbare Fahrersitz (bei 2 abwechselnden Fahren doch recht nützlich) und die belüfteten Sitze in jedem Fall aus.
Leider konnte mir weder der Händler in Schlag noch ein anderer Händler in ganz Ostösterreich kein Topmodell in dieser Ausstattung vor August 2017 anbieten. Zu lange waren Mitte Jänner schon die Lieferzeiten. Ich hätte mir als Unternehmer sehr gerne den IONIQ in Österreich gekauft, allerdings waren der Liefertermin und die Lederausstattung für KO-Kriterien.

Kauf in Deutschland

Und so war es für mich eine leichte Entscheidung, den IONIQ beim IONIQ-Händler Nummer 1 in Deutschland, dem Autohaus Sangl, zu kaufen. Im Forum und auf Facebook fand man praktisch ausschließlich gutes Feedback zum Top-E-Auto Verkäufer aus Landsberg am Lech. Herr Jürgen Sangl ist für 25%(!) aller in Deutschland verkauften IONIQs verantwortlich. Und das nicht ohne Grund. Mit ungeheurem Engagement setzt er sich für die Elektros ein und verkauft deswegen mehr elektriosche IONIQs als jeder andere Hyundai-Händler in Europa.
Er kann auch extrem gute Lieferzeiten anbieten (und das immer noch!), weil er aus Vertrauen zu dem guten Produkt, immer große Mengen an IONIQs in allen Farben vorbestellt und seinen Kunden dann aus dem Pool der vorbestellten Autos eines aussuchen lässt und daher auch schnell liefern kann. Manchmal so schnell, dass er die weniger gefragten Farben („Blazing Yellow“ und „Phoenix Orange“) innerhalb von Wochen an interessierte E-Auto-Freaks los wird. Und so hat auch „Stefan Ko“ schon zu Ostern seinen nigelnagelneuen ZOE gegen einen orangenen IONIQ bei Sangl eingetauscht.
Aber zurück zu meiner Bestellung: am 19. Jänner habe ich mich entschlossen, mein Auto aufgrund der Liefersituation und der großen Preisdifferenz in Deutschland zu kaufen. Prompt habe ich beim bei Sangl angerufen und endlich meinen eigenen IONIQ in schwarz mit Schiebedach bei ihm bestellt. Der Wagen war aus dem Dezember-Vorlauf und sollte im Idealfall schon Ende März, Anfang April ausgeliefert werden. Gute zweieinhalb Monate Wartezeit habe ich damals noch gehoffft…

Wartezeit

Die Wartezeit wird schon nicht so lang werden, dachte ich mir damals noch, aber es sollten schlussendlich doch über 4 Monate werden. Versüßt wurde mir die Wartezeit mit einer tollen 6-Tages-Testaktion vom Land Niederösterreich. Gegen Anmeldung konnte man so das Wunsche-E-Auto eine ganze Woche lang testen. Ich habe mich gleich am ersten Tag dafür angemeldet bei einem Hyundai-Händler in Stockerau, um das Auto noch einmal genau unter die Lupe nehmen zu können. Die einzige Einschränkung bei dieser Aktion waren die 700 Kilometer, die nur gegen Bezahlung überschritten werden durften. So hielt ich mich natürlich zurück, was die Kilometerleistung betrifft, habe aber trotzdem so gut wie alle interssierten Freunde kurz damit fahren lassen und habe so einige von Ihnen für Elektroautos begeistern können. Meinen Bruder habe ich schon zuvor soweit gebracht, dass er ebenfalls beim Sangl einen weißen IONIQ vorbestellt hat. Er wollte nur noch eine Probefahrt abwarten, und nachdem ich ihn kurz damit fahren habe lassen, hat er am Tag darauf den Kaufvertrag abgeschlossen!
Insbesondere die Rekuperationswippen am Lenkrad hat allen gefallen, mit denen man sogar fast die Bremsen ersetzen kann. Der IONIQ rekuperiert in 4 Stufen, durch die man mit den Wippen durchschalten kann, und speist so die gewonnenen Bewegungsenergie in den Akku zurück. In Kombination mit dem extrem guten cw-Wert von 0,24 (vergleichbar mit dem Tesla Model S – bei viel weniger Gewicht) sind mit dem kleinen 28 kWh-Akku Reichweiten möglich, die man nicht für möglich halten würde. Selbst bei sehr, sehr sportlicher Fahrweise sind im Sommer locker 200 Kilometer drin. Im Winter sicher auch, wenn man etwas sparsamer unterwegs ist. Das fällt einem aber wirklich sehr schwer, wenn man von einem Verbrenner kommt und den Fahrspaß genießt, den das Auto genauso bieten kann wie exzellente Sparsamkeit. Im Sportmodus ist der IONIQ nämlich wirklich recht giftig. Da reagiert das Spaßpedal auf jeden Millimeter Druck und gibt diesen über den 88 kW (120 PS) Motor unmittelbar an die Räder weiter, die bergauf oder auf nasser Fahrbahn trotz ESP auch schon mal durchgehen können. Das maximale Drehmoment von 295 Nm liegt ab der ersten Umdrehung an und beschleunigt den Wagen so in unter 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Ein sehr guter Wert für ein leistbares Elektroauto!

Nach der Probewoche wurde es allerdings hart. Die Lieferzeit hat sich einmal um ein Monat verschoben, weil die Schiebedach-Autos im Hyundai-Werk einfach alle auf einmal, aber eben nur hin- und wieder produziert wurden. Anfang März hab ich dann die Produktionsbestätigung von Herrn Sangl per Mail erhalten. Mitte März wurde das Auto dann von Südkorea nach Bremerhaven verschifft und kam dort Anfang Mai an. Die Logistik, die Hyundai bei der Auslieferung der Autos an seine Händler anwendet, ist leider komplett undurchsichtig und – man muss es sagen – chaotisch und so hat’s dann nochmal einen Monat lang gedauert, bis der Wagen Ende Mai endlich bei Sangl am Hof war. Spätabends habe ich von Jürgen Sangl persönlich noch den Anruf bekommen, dass mein Wagen bei ihm angekommen ist und so haben wir gleich den Abholtermin am 2. Juni vereinbart. Außerdem habe ich ihm noch einmal meine Sonderwünsche durchgegeben: ich habe mir nämlich die Front in schwarz folieren lassen, alle hinteren Scheiben 70% schwarz folieren lassen, sowie das schwarze Heckteil vom Hybrid-IONIQ einsetzen lassen. Dazu habe ich noch die blauen LED-Fußraumbeleuchtungen bestellt. Dazu noch die Gummi-Fußmatten und die Gummiwanne für den Kofferraum (für unseren Wuffi). Das erste E-Auto kauft man schließlich nur einmal! 😉
Die Spannung stieg und in der Nacht, als ich den Anruf erhielt, konnte ich gleich einmal nicht gut einschlafen. In meinem Kopf spielte sich schon alles inkl. Zugfahrt nach Landsberg/Lech und Rückfahrt nach Münichreith durch. So aufgeregt war ich schon lange nimmer. Andererseits war es mein erstens selbst konfiguriertes Auto nach meinen Wünschen, und ein elektrisches noch dazu!

Auf zum Sangl

Mit dem Zug ab Linz ging es zusammen mit meiner Frau hurtig nach Landsberg, wo wir schon am Bahnhof von einer freundlichen Mitarbeiterin standesgemäß in einem IONIQ in „blazing yellow“ erwartet wurden.
5 Minuten später waren wir auch schon im Schauraum vom Autohaus Sangl und wurden von Jürgen freundlich mit Kaffee und Wasser begrüßt. Fast zeitgleich traf auch „TI NO“ (Freund aus Facebook) ein, der sich seinen weißen Premium-IONIQ abholte. Wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Abholen unserer Traumautos – sehr schön, wenn man die Leute, mit denen man sonst nur über die sozialen Medien kommuniziert, auch einmal persönlich kennenlernt. Er ist einer der ersten mit einem IONIQ in Thüringen. Während Herr Sangl das Auto an TI NO übergeben und ihn instruiert hat, habe ich mich ein wenig auf dem Hof umgesehen. Unglaublich, was hier abgeht: sieht bei bei den meisten Händlern die Elektroautos nur in irgendeiner Ecke herumstehen und vergammeln, weil sie von den Händlern nur stiefmütterlich und meist ohne echtes Fachwissen lieblos „präsentiert“ werden, wird beim Sangl die E-Mobilität tatsächlich gelebt. Allein im Schauraum standen 4 IONIQs, und am Hof fanden sich noch einmal rund 10 IONIQs in allen Farben und Ausstattungen. Wer die Farben des IONIQs einmal in natura sehen will, hat beim Sangl gute Chancen alle Farben vorab betrachten zu können.
Zurück im Schauraum haben wir gemeinsam noch ein wenig über die E-Mobilität geplaudert und uns danach von TI NO mit seinem weißen IONIQ verabschiedet.
Daraufhin hat Herr Sangl die letzten Fragen unsererseits geklärt und uns den Ablauf mit den deutschen Kennzeichen erklärt. Ich wollte nämlich nicht 1-2 Wochen warten, bis wir von Denzel (Hyundai Österreich) die für Österreich umgeschriebenen Dokumente zurückbekommen und habe deswegen das Angebot von Herrn Sangl für eine Tageszulassung mit dt. Kennzeichen angenommen. Die österreichischen Kennzeichen wollte ich dann in Ruhe in Österreich anmelden.
Die Abholung unseres E-Racers war ganz entspannt, aber dennoch straff gehalten, weil Sangl an diesem Tag noch weitere IONIQs ausliefern musste und kurz vor seinem Urlaub stand. Wir wollten ihn aber gerne auch noch persönlich kennenlernen. Eine ausführliche Schulung war zum Glück nicht mehr notwendig, weil Sangl seine Kunden ja ideal mit seinen 6 professionell gedrehten Videos auf YouTube vorbereitet.
Nach ca. 2 Stunden haben wir uns von Herrn Sangl und seinem Team verabschiedet und konnten endlich mit unserem schwarzen IONIQ fahren. Ein sehr schöner Moment.

Heimfahrt

Geplant waren eigentlich nur 2 Stopps bei der Heimfahrt nach Niederösterreich, allerdings hatten wir nicht mit dem Megastau auf der A8 gerechnet. Der Freitag vor Pfingsten ist in Deutschland der erste Tag der Pfingstferien und somit ging auf der Autobahn zwischen München und Salzburg gar nix weiter. Für den IONIQ überhaupt kein Problem, für uns aber eine erste Belastungsprobe. Andererseits konnten wir in aller Ruhe alle Details des Innenraums entdecken, insofern eine recht entspannte Stau-Fahrt, wenn auch mit 2 Stunden Verzögerung bis Salzburg. Der IONIQ musste eigentlich noch nicht laden, aber in Irschenberg mussten wir mal zum ersten Mal eine Pinkelpause einlegen und haben uns eine kleine Stärkung gekauft. In dieser Zeit (etwa 25 Minuten) haben wir den IONIQ auch gleichzeitig wieder auf gut 90% aufgeladen. Beim Laden haben sich ein paar ältere Herrschaften und ein sehr interessierter Pfandflaschen-Sammler für unseren schwarzen Boliden informiert. Man merkt, dass sich die Leute immer mehr für E-Autos interessieren, sehr schön!
Weiter ging’s Richtung Salzburg. Weil wir es nicht drauf anlegen wollten, haben wir in Mondsee noch einmal zwischengeladen (wieder auf gut 90%), um meine liebe Irene nach Linz zum Bahnhof zu bringen, wo sie Ihren Golf Variant abholen musste, mit dem wir zum Zug angereist waren. Anschließend bin ich noch nach St. Valentin zum Schnelllader gefahren und habe dort in einer kurzen Kaffeepause auf gut 80% zum letzten Mal aufgeladen. Das sollte ja locker reichen für die letzten rund 100 Kilometer. Ein weiterer 20 km-Stau in Österreich hat zwar an meinen Nerven gezehrt, das Navi hat mich aber gut um den Stau herum navigiert. Eine weitere Stunde Zeitverlust war aber die Folge und so kam in erst nach fast 8 Stunden zuhause an, geplant waren eigentlich nur 5,5 Stunden für die 400 Kilometer-Strecke. Geschlaucht und ziemlich erledigt, aber doch auch sehr froh hab ich meinem IONIQ dann seine wohlverdiente Ruhe in der Garage gegönnt.

Erste Eindrücke

In den Tagen nach der Abholung haben meine Frau und ich unseren IONIQ ausführlich testen können und sind von Tag zu Tag begeisterter. Das völlig problemlose und meist sehr günstige Laden an unserer Photovoltaik-Anlage hält jede Reichweitenangst in Zaum. Selbst wenn man sehr sportlich mit dem IONIQ fährt, bringt man den Wagen kaum unter 200 Kilometer Reichweite. Bei sparsamer Fahrweise kommen wir aber auch recht einfach auf 220 Kilometer, der Bordcomputer errechnet durchschnittlich 210 Kilometer Reichweite für unsere Fahrweise – ein toller Wert für uns noch ungeschulte E-Autofahrer. Wenn der Fahrspaß irgendwann mal nachlässt (ich kann es mir derzeit kaum noch vorstellen) und das Strompedal nicht mehr so gequält wird, werden wir sicher auch im Winter an die 200 Kilometer Reichweite erreichen können, ist er doch mit einer effizienten Wärmepumpe gut für die kalte Jahreszeit gerüstet. Bei meiner ersten Probefahrt im Jänner hatte ich ebenfalls bei sehr sportlicher Fahrweise schon gut 170 km Reichweite erreicht.
Derzeit befinden wir uns noch in einem Lernprozess, wie wir das Auto möglichst akkuschonend betreiben können. Ich habe in der Zwischenzeit immer mehr das „Segeln“ für mich entdeckt. Diese Nuller-Stufe der Rekuperation ist für mich optimal dazu geeignet, um die Bewegungsenergie des Wagens ideal möglichst weit „mitzunehmen“. Der IONIQ rollt nämlich wie kein anderes Auto. Kaum geht’s leicht bergab, zum Teil auch auf der Geraden, bringe ich ihn auf die Zielgeschwindigkeit und lasse ihn hunderte Meter, oft auch über einen Kilometer weit, mit null Energieeinsatz dahinrollen, einfach grenzgenial!
Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich im Ortsgebiet extra unter 30 km/h fahre, damit die Leute auch hören können, dass hier gerade ein Elektroauto vorbeifährt. Der IONIQ sondert unter 30 km/h nämlich ein sehr spaciges Geräusch ab, das die Fußgänger vor dem heranrollenden E-Auto warnen soll. Viele E-Auto-Fahrer mögen diesen Sound überhaupt nicht, für mich ist es unverzichtbar und außerdem finde ich es extrem passend für ein E-Auto.
Die Premiumausstattung haben wir zum ersten Mal so richtig bei Temperaturen nördlich von 30 Grad Celsius genossen. Reicht bei 25 °C noch das Öffnen/Kippen des Schiebedaches, schalten wir bei noch heißeren Temperaturen gerne die Sitzbelüftung dazu. Wenn man das noch nicht am eigenen Leib erfahren hat, weiß man nicht, was man bisher versäumt hat, ein Feature, das ich nicht mehr missen will. Das Glas-Schiebedach ist auch etwas, das ich nicht mehr hergeben wollte. Neben ein bisschen Cabrio-Feeling bietet es im Innenraum vor allem auch bei schlechtem Wetter viel Licht und macht das Autofahren – wie ich finde –  angenehmer. Man kann das Schiebedach entweder hinten ankippen oder nach hinten in das Dach reinschieben. Hier stoppt das Dach zuerst kurz (ca. 8 cm), bevor es komplett im Dach verschwindet, um grobe Luftverwirbelungen bzw. ein Plodern zu vermeiden. Ein weiterer Druck auf den Schieber versenkt das Dach dann vollständig im Plafond. Der ist übrigens doch um einiges niedriger als ohne Schiebedach. Große Personen (über 185 cm) werden möglicherweise Probleme mit der Kopffreiheit haben, wenn der Sitz nicht ganz nach unten gestellt wird. Ganz nach oben kann auch ich mit meinen 175 cm den Sitz nicht nach oben stellen, sonst streifen meine Haare am Dachhimmel.

Schwächen

Der IONIQ hat auch ein paar Schwächen, welches Auto hat die denn nicht? Die derzeit noch fehlende App zum Fern-Ablesen des Akkustandes bzw. zum Vortemperieren des Autos per Smartphone mag viele stören, für mich war es aber kein Grund, das Auto nicht zu kaufen. Vielleicht sorgt hier bald eine selbstentwickelte App für Ersatz, die Community ist nämlich schon fröhlich am Testen.
Ja, der Akku könnte auch größer sein. Aber ehrlich gesagt: wem 200 Kilometer Reichweite nicht reichen, dem reichen auch die 300 realistischen Autobahn-Kilometer eines Teslas nicht, der für die Allermeisten praktisch unbezahlbar ist. Und für die typischen „Außendienstler“ werden auch die Autos der nächsten Generation mit 40-60 kWh-Akku nicht reichen. Da ist man heutzutage immer noch besser mit einem Verbrenner bedient, wenn man es eilig hat bzw. man sich die Zeit nicht nehmen kann oder will.
Das fehlende 3-Phasen-Laden ist auch immer wieder ein Kritikpunkt, aber wenn man – wie wir in Österreich – ein recht dichtes CCS-Netz mit 50 kW-Ladern hat, ist es das Letzte, was mir an einem Elektroauto fehlt. In CCS-unterversorgten Gebieten mag das derzeit noch ein Grund sein, sich für ein anderes E-Auto (z.B. den Renault Zoe) zu entscheiden. Für mich war der Renault aber keine Option, weil für meine Familie zu klein und das Preis/Leistungs-Verhältnis in meinen Augen nicht mehr ganz passt. Nissan Leaf und BMW i3 sind aus ästhetischen Gründen (meine persönliche Meinung) ausgeschieden. Außerdem kommen die auch nicht weiter als der IONIQ, eher weniger weit, selbst in der neuen Ausstattung mit den neuen, größeren Akkus.

Fazit

Ich bereue es keinen Moment, vor einem halben Jahr den Opel Ampera-e für den Hyundai IONIQ links liegengelassen zu haben. Modern und bestens ausgestattet bietet mir der IONIQ das meiste für mein Geld. Apropos: 28.500 Euro habe ich in der Maximal-Ausstattung (also Premium + Sonderfarbe + Schiebedach) exkl. Mwst. als Unternehmer gezahlt. Förderung kann ich trotz Kauf in Deutschland trotzdem beantragen und da werde ich auch noch 2.500 Euro samt der niederösterreichischen Landesförderung zurückbekommen. Mit der noch besseren Förderung für Private würde dasselbe Auto etwa 30.000-31.000 Euro beim Sangl kosten und das in der absoluten Top-Ausstattung! Wenn einem das kleinere Style-Modell genügt, kommt man mit weit unter 30.000 Euro davon. Auch das hat bereits alle wichtigen Assistenten mit an Bord. Nur vom Trend-Modell (bzw. der nackten Version in Österreich) würde ich (und auch Herr Sangl ;)) dringend abraten. Die fehlende Wärmepumpe wird im Winter zuviel Reichweite kosten. Da bleiben dann von den 200 möglichen Kilometern im Winter wohl nur mehr unter 150 km übrig.
Neben Sangl in Landsberg gibt’s mittlerweile viele engagierte Händler, die auch gerne und kompetent ihre E-Autos verkaufen. Den österreichischen Händlern sind leider seitens des Generalimporteurs Denzel die Hände gebunden und so werden auch in Zukunft noch viele, viele interessierte IONIQ-Käufer in Deutschland auf Shopping-Tour gehen. Für beide Seiten kein Problem, denn die paar Hundert IONIQ pro Jahr bringt Denzel auch in Österreich mühelos an die Frau und an den Mann. Dafür ist das Auto einfach zu gut. So gut, dass die Lieferzeiten immer länger werden…
Aus guter alter Tradition haben wir unseren IONIQ auch getauft, und zwar auf den Namen „Quantum Leap“ (Quantensprung). Erstens weil ich einen Namen mit „Q“ wollte, und zweitens weil der „Volkstesla“ für mich ein absoluter Quantensprung ist. Das ist die Richtung, in die die Automobil-Industrie gehen wird. Hoffentlich erkennen das auch bald alle deutschen Autohersteller, sonst könnten tausende und abertausende Arbeitsplätze durch das Versagen der Management-Ebene verloren gehen, vor allem in Deutschland, aber auch bei den Zulieferern in Österreich. Der Quantensprung ist längst passiert und es wird keine 15 Jahre mehr dauern, bis kein Verbrenner mehr verkauft werden darf. Wollen tut ihn dann sowieso keiner mehr!

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