in Elektromobilität, Hyundai Ioniq

Einer der Hauptgründe, warum ich als Österreicher im Autohaus Sangl in Landsberg/Lech (westlich von München) meinen IONIQ gekauft habe, war, dass ich meine Wunschausstattung mit belüfteten Ledersitzen noch vor meinem Urlaub im Juli 2017 geliefert bekomme. Anfang Juni war es dann schließlich soweit und ich konnte mich gut 1 Monat auf die Reise nach Poreč im Nordwesten Kroatiens vorbereiten. Dabei habe ich gelernt, dass man sich auf die Tachoanzeige beim IONIQ, also die zu erwartende Reichweite, 100%ig verlassen kann. Vorausgesetzt natürlich, dass man keine allzu großen Steigungen kurz vor Ankunft am Ziel einplant.
Für den Urlaub habe ich aber mit Schnellladesäulen geplant, die in der Nähe von Großstädten (in tiefen Lagen) waren, somit kann man wirklich sehr genau mit recht großen Etappen von bis zu 200 Kilometer planen.

Hinfahrt nach Poreč, Kroatien

Münichreith – Leibnitz
230 km, 17 km Rest

Abfahrt mit 100% Akkustand
Start: 04.15h

Für die Hinfahrt nach Poreč habe ich nur 2 Ladestopps eingeplant. Das sollte sich bei 549 Kilometern Anreise im Normalfall recht locker ausgehen. Der erste Stopp war eigentlich in Graz nach ziemlich genau 200 Kilometern geplant. Bei einem Treffen mit E-Mobilitäts-Freunden vor zwei Wochen habe ich nämlich erfahren, dass die Route über Mariazell trotz dreier Anstiege über 1.000m Seehöhe für den IONIQ kein Problem darstellen. Diesmal war aber meine ganze Familie und ein Kofferraum voller Gepäck mehr mit an Bord. Daher sind wir die erste Etappe etwas vorsichtiger, aber dennoch zügig angegangen.
20 Kilometer vor Graz hat es so ausgesehen, als würden wirklich nur Graz erreichen, durch zahlreiche 80er-Zonen (vorwiegend wegen Baustellen) hat sich die angezeigte Gesamtreichweite aber immer mehr Richtung 250 Kilometer entwickelt und so haben wir das 30 km weiter südlich gelegene Leibnitz als ersten Halt angestrebt.
Weniger Umweg als bei der Ladestation in Graz und ein ausgiebiges Frühstück bei McDonald’s waren ein guter Anreiz dafür und außerdem konnten wir so die 2. Etappe nach Ljubljana in Slowenien ruhiger angehen. Mit 17 Restkilometern sind wir schließlich nach 230 Kilometern in Leibnitz angekommen.

Stopp: 07.32h

Leibnitz – Ljubljana (Slowenien)
160 km, 26 km Rest

Ladezeit von 8,5 auf 94,5 Prozent: ca. 38 Minuten
Start: 08.14h

Aufgeladen auf 94,5% an der Smatrics-Schnellladesäule hat Irene das Steuer nach Laibach übernommen. Nicht ganz 160 Kilometer standen vor uns und so konnten wir die reine Autobahnroute meist mit 130 Tempomat abspulen, dazwischen ein paar Zonen/Tunnels mit 100er-Beschränkung. 103 km/h Schnitt und gute eineinhalb Stunden später haben wir den IONIQ an der kostenlosen Schnellladestation bei bis zu 45 kW-Ladeleistung wieder auf 94,5% aufgeladen.

Stopp: 09.53h

Ljubljana (Slowenien) – Poreč (Kroatien)
160 km, 40 km Rest

Ladezeit von 15,0 auf 94,5 Prozent: ca. 36 Minuten
Start: 10.31h

Nach einer kurzen Pipi-Pause und einer kleinen Erfrischung für die ganze Familie ging es auch schon weiter auf die letzte Etappe nach Poreč, unserer Urlaubsdestination zum Parkplatz der Valamar-Gruppe am Rande der Stadt. Wieder hatten wir rund 160 Kilometer vor uns und so war es ein Leichtes, die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h über den vollautomatischen Abstandstempomaten einzustellen und auch großteils durchzuhalten. An der kroatischen Grenze hatten wir etwa eine dreiviertel Stunde Wartezeit. An einem Sonntag aber dennoch recht akzeptabel und dank Klimaanlage auch kein Drama. Die hatte nämlich mittlerweile mit 35 °C Außentemperatur zu kämpfen. Die belüfteten Sitze vorne taten ihr Übriges zum guten Klima im Innenraum.
Spätestens hier wusste ich, warum ich unbedingt die Ledersitze haben wollte!

Stopp: 12.53h
Ankunft: mit 20% Akkustand und 40 Restkilometern

Die Hinreise am 9. Juli war 549 km lang und es wurden dabei 12,5 Kilowattstunden auf 100 km im Schnitt gefahren. Ein sehr guter Wert für die recht flotte Fahrt!

2017-07-19

Münichreith - Poreč

  • Distance Instructions
Label
  • Distance 557 km
  • Time 6 h 49 min
  • Speed 82 km/h
  • Min altitude -1 m
  • Peak 1170 m
  • Climb 6435 m
  • Descent 7090 m

Aufenthalt in Poreč, Kroatien

Am Parkplatz in Porec angekommen, wurde unser IONIQ vom Personal am Parkplatz wieder am TYP2-Lader mit 7 kW aufgeladen und danach auf einem sonnengeschützten Platz abgestellt. Bei einem 8 km langen Ausflug mit den Kindern ins Aquacolors, dem größten Wasserpark in Kroatien, etwas außerhalb von Poreč konnten wir so in ein nicht allzu heißes Auto steigen.
Am Abend haben wir das Auto wiederum auf 100% aufladen lassen und den IONIQ somit schon für die Rückfahrt gut vorbereitet. Die Schlüssel wurden uns nach den Ladevorgängen immer zuverlässig ins Hotel nachgebracht.
Das Valamar-Team ist hier wirklich sehr vorbildlich, was das Laden von E-Autos ihrer Kunden betrifft, betreiben sie doch noch eine weitere Ladestationen in Porec. Die Ladestation am Kundenparkplatz habe ich nun ins GoingElectric-Verzeichnis eingetragen!
Was in Kroatien generell noch fehlt sind echte DC-Schnelllader (CCS/Chademo). Hier ist Kroatien leider noch Entwicklungsland, für unsere Reise nach Poreč war es aber unerheblich, weil wir sehr nahe an Ljubljana mit dem kostenlosen Schnelllader dran waren und somit für Hin- und Rückfahrt sehr gut versorgt waren.

Hier einige Eindrücke von unserem Urlaub auf der Insel Sveti Nikola (5 Minuten mit der Fähre von Porec entfernt), auf der wir 9 Nächte lang untergebracht waren:

Rückfahrt nach Münichreith

Nach 10 Tagen bester Erholung stand uns noch die Rückfahrt nach Münichreith bevor. Diesmal haben wir aufgrund der Topologie eine längere Route mit 3 Ladestopps über Wiener Neustadt eingeplant. Mehr Autobahn und weniger Berge waren angesagt. Dafür eben einmal mehr Laden, was sich später noch als „kleines Problem“ herausstellen sollte. Dazu später mehr.

Poreč (Kroatien) – Ljubljana (Slowenien)
160 km, 16 km Rest

Start: 13.18h
Abfahrt mit 98,5% Akkustand – der IONIQ hat 1,5% an Ladung über 6 Tage „Stehzeit“ am Parkplatz verloren.

Nachdem unserem Jüngsten bei der kurvigen Bergfahrt über die Voralpen bei der Anreise leider etwas schlecht geworden war, haben wir für die Rückfahrt die etwa gleich schnelle, aber um ca. 70 Kilometer längere Route über Wiener Neustadt gewählt. Dort wollten wir diesmal noch ein drittes Mal laden, damit wir die Etappen mit höheren Geschwindigkeiten abspulen können. Leider ging die Rechnung nicht ganz auf, denn die Hitze sollte dem IONIQ noch einen Streich spielen.
Über die Grenze nach Slowenien ging es diesmal sehr hurtig, keine 3 Minuten Wartezeit. Die Route war wiederum rund 160 Kilometer lang und so fuhren wir mit den 98,5% wieder mit Tempomat auf 130 km/h Richtung Ljubljana zum kostenlosen Schnelllader und auf ein paar Pizzaschnitten als Mittagsessen.

Stopp: 15.22h

Ljubljana (Slowenien) – Leibnitz
160 km, 11 km Rest

Ladezeit von 10,5 auf 94,5 Prozent: ca. 38 Minuten
Start: 16.02h

Gestärkt und und mit einigen „Besänftigungssüssigkeiten“ ausgestattet sind wir wieder mit 94,5 % Akkustand Richtung Österreich aufgebrochen. Nach eineinhalb Stunden ging es beim McDonalds in Leibnitz auf ein Eis und Saft für meinen IONIQ.
Apropos Eis. Das hätte der Akku des IONIQ auch gut brauchen können. Ich habe beim Laden in Leibnitz zum erstenmal festgestellt, dass eine Dauerbelastung (130 km/h Tempomat) in Kombination mit Hitze (in Leibnitz hatte es immer noch 30 °C) dem Akku doch empfindlich zusetzt. Und so stieg die Ladezeit zum ersten Mal an einer Schnellladesäule fast auf eine Stunde an. Das kannte ich so bisher nicht vom IONIQ. Über Torque Pro habe ich Akku-Temperaturen jenseits der 50 °C ausgelesen, ca. 20 °C über den durchschnittlichen 30 °C Akku-Betriebstemperatur. Die Ladeleistung ist kurz vor Schluss auf bis zu 3,6 kW eingebrochen (2. Torque-Screenshot). Mit den genauen Daten am Smartphone und mit ungeduldigen Kindern an Bord, denen schon alles vom Sitzen weh getan hat, war das Warten auf das Ende des Ladevorgangs umso ärgerlicher. Auch ich selber wurde schön langsam immer unrunder…
Andererseits gab es abgesehen von diesen relativ kleinen Verzögerungen aber überhaupt keine Probleme mit dem IONIQ. Er ist ein wahres Arbeitstier auf der Langstrecke.

Stopp: 17.32 h

Leibnitz – Wr. Neustadt
166 km, 21 km Rest

Ladezeit von 7,5 auf 94,5 Prozent: ca. 52 Minuten
Start: 18.28h
An Graz vorbei ging es Richtung Wechsel, also relativ viele Höhenmeter vor uns. Kurz vor der Raststation Zöbern fiel die Reichweitenanzeige wieder unter die Entfernung zum Schnelllader in Wr. Neustadt. Ich war aber sehr zuversichtlich, dass wir die verlorenen Bergkilometer bergab wieder gutmachen könnten. Und so war es schließlich auch. Mit 21 km Restreichweite sind wir am Billa-Parkplatz mit der Smatrics-Ladesäule angekommen. Das letzte Mal Laden stand auf dem Plan.
Stopp: 20.02h

Wr. Neustadt – Münichreith
132 km, 9 km Rest

Ladezeit von 12,5 auf 89 Prozent: ca. 43 Minuten
Start: 20.47h

Die Ladeverzögerungen gingen leider auch beim letzten Mal Aufladen weiter und diesmal habe ich bei 89 % bzw. nach 45 Minuten gestoppt. Das sollte für die letzten 135 Kilometer in jedem Fall ausreichen, selbst bei recht schneller Fahrt auf der A1 Richtung Heimat. Wir wollten endlich heim und so habe ich auch kurz einmal die Höchstgeschwindigkeit des IONIQ ausgetestet, der Verkehr hat das zum Glück zugelassen. Bei ca. 176 km/h war Schluss.
Den Tempomat habe ich auf den letzten Autobahnkilometern zwischen 150 und 155 km/h eingestellt. Wofür hab ich denn einen IONIQ? 😉
Dementsprechend höher war natürlich unser Durchschnittsverbrauch auf der Rückfahrt. 15,7 kWh/100 km sind für die gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit von exakt 100 km/h über die gesamten 618 Kilometer aber immer noch ein sehr respektabler Wert. Topologisch gesehen ging es heimwärts ja eher „bergauf“, und so war das durchaus zu erwarten.

Stopp: 22.11h

2017-07-19

Poreč - Münichreith

  • Distance Instructions
Label
  • Distance 628 km
  • Time 6 h 45 min
  • Speed 93 km/h
  • Min altitude -1 m
  • Peak 747 m
  • Climb 5532 m
  • Descent 4877 m

Fazit

Der  IONIQ ist 100%ig langstreckentauglich. Wenn es CCS-Ladesäulen in 150 bis 200 km Reichweite gibt, dann lädt man den IONIQ in 30-40 Minuten wieder auf rund 94 Prozent auf und kann entspannt weiterfahren. Man könnte den IONIQ sicher noch viel stromsparender fahren als wir es getan haben. Wir sind aber bewusst keine Kompromisse eingegangen, weil wir den Kindern nicht allzu lange Fahrzeiten zumuten wollten.
Wir sind immer recht knapp ans Limit herangefahren, aber wie gesagt: der IONIQ ist sehr berechenbar, was die mögliche Reichweite angeht.
Wir waren im Großen und Ganzen absolut zufrieden mit unseren zwei Fahrten. Meine Frau meinte sogar nach der Hinfahrt, dass die Anreise fast wie auf Schienen war, nur ohne Schaffner! 🙂
Ich habe das genauso gesehen. Der adaptive Abstandsregler nimmt einem extrem viel Arbeit bei Stop&Go-Verkehr (z.B. an der Grenze) ab und macht die Fahrt wirklich um einiges entspannter. Dazu der Spurhalteassistent, der einen auf eintönigen Autobahnen zuverlässig in der Spur hält.

Zusammenfassung der beiden Fahrten:

KilometerLadestoppsFahrzeit
brutto (h)
Ladepausen (h)Fahrzeit netto (h)Verbrauch (kWh/100 km)Durchschnitts-
geschwindig-
keit
(km/h)
Hinfahrt54928:38 h1:24 h7:16 h12,573
Rückfahrt61838:53 h2:22 h6:31 h15,7100

Die Gesamtkosten des Urlaubs belaufen sich für die 3 Ladungen an den Smatrics-Ladesäulen auf stolze 26,76 Euro! Zuhause wurde vor der Abfahrt praktisch kostenlos an meiner PV-Anlage geladen, in Ljubljana konnte ich ebenfalls zweimal kostenlos aufladen und am Parkplatz in Poreč wurde mir der IONIQ genauso wieder auf 100% aufgefüllt.

Im Vergleich zu unseren letzten Urlaubsfahrten mit dem Verbrenner haben wir (bei der Hinfahrt) gerade einmal eine halbe bis dreiviertel Stunde „verloren“, wenn man es unbedingt so nennen will. Wir haben aber ganz sicher viel schneller Entspannung und die Erkenntnis dazugewonnen, dass man wegen der jährlichen Urlaubsfahrten nicht mehr auf ein Elektroauto verzichten muss. Der IONIQ ist definitiv das beste Beispiel dafür!