Immer wieder hört und liest man, dass Elektroautos viel teurer sind als herkömmliche Autos. An sich stimmt das derzeit auch noch, wenn man nur die Anschaffungskosten des Autos beachtet. Oft wird aber vergessen, dass man mit einem Elektroauto auch sehr viel sparen kann im Vergleich zu einem Benziner- oder Diesel-Auto – und zwar nach dem Kauf des Autos!

Es entfallen in Österreich z.B. die motorbezogenen Steuern komplett (das sind bei meinem alten Volvo derzeit ca. 480€/Jahr), die KFZ-Versicherung an sich ist bei manchen Versicherungen sogar noch etwas günstiger im Vergleich zu einem Verbrenner, das rechne ich aber nicht dazu, weil das nicht allgemein gültig ist. Der „Treibstoff“ Strom ist ebenfalls viel günstiger und in Österreich noch dazu in der Regel sehr ökologisch hergestellt. Dadurch ergeben sich weitere Einsparungen pro Monat. Von den niedrigeren Service- und Wartungskosten habe ich noch gar nicht geredet, schließlich gibt’s bei Elektroautos nur sehr wenige Verschleißteile im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto. Elektroautos brauchen keinen Ölwechsel, haben einen geringeren Bremsverschleiß (weil Sie sehr viel mit Rekuperation – also der Aufladung der Batterien durch den Motor als Generator – bremsen), und ihre Besitzer müssen weder Auspuffanlagen noch Kupplungen ersetzen lassen.

Ich möchte hier einen Vergleich anhand meines derzeitigen Autos, einem Volvo V40, den ich mit einer aktuellen Renault Zoe vergleiche, verdeutlichen. Weiter unten führe ich einen Vergleich von 2 neuen, praktisch baugleichen KIA Soul – einmal als Benziner und einmal als Elektroauto – an!

Ich gehe also in meinem konkreten Fall von einer monatlichen Fahrleistung von 1.000 km aus und berechne hier nur die Kostendifferenz der beiden Autos:

Elektroauto Verbrenner Differenz/Monat
in €
Differenz/Jahr
in €
Auto Renault Zoe Volvo V40    
Batterie/Tankgröße 41 kWh ca. 48 l
Realistischer Verbrauch 16,4 kWh/100 km 8 l/100 km
Reichweite gemittelt 250 km (300 km im Sommer/200 km im Winter) 600 km (ist auch im Sommer und Winter unterschiedlich!)
Fahrleistung/Monat 1.000 km 1.000 km
Verbrauch/Monat 164 kWh 80 l
Laden/Tanken unterwegs 40 kWh
1x unterwegs vollladen: 18 €
(teuerster Tarif single.net bei SMATRICS)
80 l
2x Tanken á 40 l/Monat: 80 €
(1 € pro Liter Diesel sehr niedrig gerechnet)
62,– 744,–
Laden/Tanken zuhause 124 kWh
24,80 € bei einem momentan recht „teuren“ Tarif von 0,20 € pro Kilowattstunde
(ich zahle derzeit weniger als 15 Cent, hängt vom Energielieferanten ab)
-24,80 -297,60
Motorbezogene Steuer 0 € 40 € 40,– 480,–
Servicekosten/Jahr 240 € (relativ hoch gerechnet) 480 € (relativ niedrig gerechnet aus meiner Erfahrung) 20,– 240,–
Summe 97,20 1.166,40

Wenn man jetzt nur den Zeitraum der Batterie-Garantie heranzieht, nämlich 8 Jahre (oder 160.000 km) erspart man sich nach dieser Tabelle in 8 Jahren satte 9.331,20 €.

Dieser Anwendungsfall ist natürlich speziell auf mich zugeschnitten, nicht jeder hat derzeit einen Volvo V40, nicht jeder fährt 1.000 Kilometer im Monat, nicht jeder würde eine Renault Zoe kaufen, usw. usf.
Es zeigt aber, dass enorme Einsparungsmöglichkeiten da sind, wenn man von einem Verbrenner auf ein Elektroauto umsteigt.

Ich will auch niemandem mit aller Gewalt ein Elektroauto einreden, jeder kann machen was er will. Man sollte aber nicht immer nur auf den Kaufpreis eines Elektroautos schauen, sondern anhand so einer Tabelle für sich entscheiden, ob es im eigenen Fall nicht schon jetzt durchaus Sinn machen könnte, auf ein Elektroauto umzusteigen.

Vergleich KIA Soul mit dem KIA Soul EV

Es gibt einen wunderbaren Vergleichs-Kostenrechner, mit dem ihr  die Gesamtkosten über einen gewissen Zeitraum eines vergleichbaren, herkömmlichen neuen Autos mit einem existierenden Elektroauto recht einfach vergleichen könnt.

Um einen Vergleich möglichst fair gestalten zu können, habe ich in folgendem Beispiel den KIA Soul in der Benziner-Variante mit dem KIA Soul EV (also in der elektrischen Variante) verglichen:

https://www.e-stations.de/elektroautos/kostenrechner?fahrleistung=15000&nutzungsdauer=8&preis1=22890&verbrauch1=7&tank1=50&sprit=Benziner&spritkosten=1.1&preis2=30790&leasing=0&foerderung2=4000&verbrauch2=16&akku2=27&stromkostenzuhause=0.2&stromkostenstation=0.3&anteil=10

Wie Ihr sehen könnt, kostet der KIA Soul EV in der Anschaffung um fast 8.000 € mehr. Ein No-Go, würden jetzt wohl viele im ersten Moment meinen.
Sieht man sich aber an, wie die Gesamtkosten (TCO – total cost of ownership) nach 8 Jahren bei angenommenen 15.000 Fahrkilometern pro Jahr aussieht, dann hat man mit dem elektrischen KIA Soul EV bereits mehr als 1.300 € eingespart.
Und das noch ohne Berücksichtigung der günstigeren Wartung und den Entfall der motorbezogenen Steuer (in Österreich) bzw. der KFZ-Steuer (in Deutschland)!
Die könnt ihr mit dem Rechner aber auch noch miteinbeziehen, indem ihr beim Kostenrechner ganz unten auf „Steuern, Wartungs- und Versicherungskosten beachten“ klickt.
Setzt dann bei beiden Autos noch realistische Werte für die Wartung (Service), Versicherung und Steuern (bei E-Autos: null!) ein und Ihr kommt auf Einsparungen nach 8 Jahren von mehreren Tausend Euro!

Man kann diese Rechnung natürlich nicht verallgemeinern, es gelten aber ein paar einfache Faustregeln:

  • Je mehr Kilometer man pro Jahr fährt, desto schneller rechnet sich eine Elektroauto im Vergleich zu einem Verbrenner
  • Je länger man ein Elektroauto nutzt, desto mehr rechnet sich dessen Anschaffung

Strom wird künftig sicher teurer werden und das kann diese Rechnung natürlich verfälschen.
Das gilt aber sicher noch viel mehr für Benzin und Diesel, haben die OPEC-Staaten doch gerade eine künstliche Verknappung und damit einen Anstieg des Ölpreises beschlossen.
Der von mir in dem Beispiel verwendete Benzinpreis von 1,10 € wird wohl nicht mehr lange halten.
Zudem habe ich einen Strompreis von 0,20 € verwendet, der in Österreich eigentlich (derzeit) noch zu hoch gegriffen ist, im letzten Jahr hat der Strom bei mir im Schnitt weniger als 0,15 € gekostet.
Von einer eventuell vorhandenen Photovoltaik-Anlage habe ich noch gar nicht gesprochen und in die Rechnung auch nicht miteinbezogen.
Selbst erzeugter, grüner Strom verbessert die Bilanz natürlich noch einmal um ein Vielfaches, setze ich für die Rechnung natürlich nicht voraus!